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Wie Freunde uns in die Irre führen

Belletristik

Zur Belletristik werden im Buchhandel die verschiedenen Formen der Unterhaltungsliteratur gezählt wie beispielsweise die literarischen Genres Roman und Erzählung. Die Belletristik ging aus dem Buchhandelssegment der Belles Lettres (frz. „schöne Literatur“) hervor.
[Wikipedia 2014]

„Schön“ ist für uns das, was wir erfahren wollen. Die Richtung des Wollens ist durch zufällige Ereignisse bestimmt worden. Die zufälligen Ereignisse geschehen nach wie vor. Dass der Wille dennoch eine bestimmte Richtung haben kann und nicht dauernd herumeiert, liegt an der rückkopplungsartigen Art der Naturkräfte. Die Festigung von Richtungen ist eine wesentliche Aufgabe unseres Gehirns. Vergangenes wird bewertet und sortiert. Dabei wird solches Verhalten und Denken, das die körpereigene Belohnung bewirkt hat, für die Zukunft verstärkt. Auch größere Formen wie Stämme, Vereine und Staaten festigen einmal gewählte Richtungen mit ähnlichen Mechanismen. Wie für das Gute und das Böse gibt es für das Schöne und das Hässliche aber keinen absoluten Maßstab.

Wenn einer ein gutes Buch liest, ein Buch, das ihm gefällt, so arbeitet er an der weiteren Festigung seiner zufällig entstandenen Willensrichtung. Er verabschiedet sich eine Weile von der äußeren Welt, die ihm nicht die Erscheinungen hervorruft, die er sich wünscht, und erzeugt sich mit Hilfe des Buches Erscheinungen, die er sich wünscht. Je leichter das Lesen fällt, desto mehr ist dies ein Zeichen dafür, dass er gerade eifrig an einer Willensfestigung arbeitet.

Freunde

Wie „gute“ Bücher sind Freunde Festiger des bereits gerichteten Willens. Sie stellen die grundsätzliche Ausrichtung der Person nicht in Frage, sonst wären es nicht die Freunde dieser, sondern bestärken die Person in der gewählten Richtung. Eine breite zufällige Richtungsverteilung der Willen wird durch zwischenmenschliche Kräfte ausgedünnt auf weniger Vielfalt. Es bilden sich Gruppen ähnlichen Denkens. Man findet zu gemeinsamer Kultur, Religion, Sprache. Abweichungen von der zufällig entstandenen Norm können mehr oder weniger geduldet werden.

Sogar die echte Freundschaft ist immer Mischung von Selbstsucht und Mitleid: erstere liegt im Wohlgefallen an der Gegenwart des Freundes, dessen Individualität der unserigen entspricht, und sie macht fast immer den größeren Teil aus; Mitleid zeigt sich in der aufrichtigen Teilnahme an seinem Wohl und Wehe und den uneigennützigen Opfern, die man diesem bringt.
[Schopenhauer-D 1. Buch §67]

Schöne neue Welt

In seinem Bestseller „Filter Bubble“ hat [Eli] Pariser das Unbehagen am mitdenkenden Internet analysiert: Das Netz zeigte uns, „was es denkt, dass wir sehen wollen“. Zufallsfunde und überraschende Begegnungen werden dadurch immer seltener. Am Ende, so Pariser, vereinzeln die Konzerne uns alle in separate Filterblasen, wo wir nur noch mit den Echos unserer eigenen Überzeugungen leben.
[Hexenmeister]

Das Netz sollte doch wie ein Freund sein!

Einsamkeit

Bei Wegfall der freundschaftlichen Kontakte kann die Zufälligkeit und Grundlosigkeit des eigenen Wollens und Tuns, das nun nicht mehr von außen gefestigt wird, offenbar werden. Dieses ist für viele das Schlimmste an der Einsamkeit: der Verlust des vermeintlich vorhandenen Sinns, der daran abgelesen worden war, wie die anderen das eigene Verhalten und Wollen bewertet hatten.