Sie sind hier

Worum geht es hier? Und worum nicht?

Es geht hier um Philosophie auf der Grundlage eines breiten physikalischen Wissens, das heißt eines Wissens um das Verhalten des Seienden, wie es sich durch Experimente und Erfahrung erschließt.

Wozu eigentlich noch Philosophie, wenn es doch die moderne Naturwissenschaft gibt, die uns alles so schön erklären kann? Dazu der theoretische Physiker und Wissenschaftsphilosoph Bernard d'Espagnat:

Tatsächlich behaupten die meisten Wissenschaftler höchstrichtig, dass es der Zweck der Wissenschaft sei, menschliche Erfahrungen zu beschreiben, nicht das „was wirklich ist“... [d'Espagnat-Meas]

Man sollte sich vor Wissenschaftlern hüten, die einem allzu schnell erklären können, was ist. Die Philosophen versuchen sich weiter vorzutasten in das Dunkel, dass weder unsere Sinne noch unsere Messinstrumente sehen können. Es ist oft berichtet worden, dass einer, der ständig fragt und grübelt, plötzlich wie vom Blitz getroffen meint, mehr sehen zu können. Dies versetzt ihn derart in Aufregung, dass er seine Gesichte anderen mitteilen will. Um solch eine Mitteilung geht es hier.

Was ist? Hierauf hat Descartes richtig geantwortet:

ego cogito, ergo sum „Ich denke, also bin ich.“ [Descartes].

Dies war für René Descartes das nicht weiter kritisierbare Fundament der Philosophie.

In den Prinzipien der Philosophie führt Descartes aus:

Indem wir so alles nur irgend Zweifelhafte zurückweisen und für falsch gelten lassen, können wir leicht annehmen, dass es keinen Gott, keinen Himmel, keinen Körper gibt; dass wir selbst weder Hände noch Füße, überhaupt keinen Körper haben; aber wir können nicht annehmen, dass wir, die wir solches denken, nichts sind; denn es ist ein Widerspruch, dass das, was denkt, in dem Zeitpunkt, wo es denkt, nicht bestehe. Deshalb ist die Erkenntnis: »Ich denke, also bin ich,« (lat.: ego cogito, ergo sum) von allen die erste und gewisseste, welche bei einem ordnungsmäßigen Philosophieren hervortritt.

Schopenhauer warnt auf der ersten Seite seines Hauptwerks Die Welt als Wille und Vorstellung:

Es wird ihm [dem Menschen] dann deutlich und gewiß, daß er keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die eine Erde fühlt; ... [Schopenhauer-D]

Das heißt: selbst dann, wenn unsere Vorstellungen einigermaßen etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben sollten, müssen wir eingestehen, dass es eine Verarbeitungsschicht gibt, die uns von dieser Wirklichkeit trennt. Wir müssen die Ergebnisse der Verarbeitung erst einmal anzweifeln.

Die den Sinnen vom Urheber der Natur eingeprägten Vorstellungen werden üblicherweise wirkliche Dinge genannt: diejenigen, die wir selber imaginieren, – sie sind weniger gleichmäßig, lebhaft und beständig – werden üblicherweise als Vorstellungen oder Bilder von Dingen bezeichnet, die sie nachahmen oder die sie widerspiegeln. Wie lebhaft und bestimmt unsere Sinneswahrnehmungen auch sein mögen, sie sind Vorstellungen … es beweist noch keineswegs, dass sie außerhalb von uns existieren …
[Berkeley $33]

Wenn wir jetzt noch so eine Art Grenzwert bilden in dem Sinne, dass Denken auf Erinnerungen fußt, und dass selbst mit immer weniger Erinnerungen und Denken - man denke an Altersdemenz - ein Daseiendes immer noch erkannt wird, so können wir uns zunächst einzig und allein an diesem festhalten:

Etwas erkennt, dass da etwas ist, das erkennt, das da etwas ist, das erkennt, dass da etwas ist, das erkennt, ...

Dieses Erkennende mag man als Ich bezeichnen, ich will es aber lieber als Bewusstsein bezeichnen. Wir wissen damit sicher, dass Bewusstsein existiert, und darüberhinaus wissen wir erst einmal nichts sicher. Der hier verwendete Bewusstseinsbegriff hat nichts mit einem Speicher für Erinnerungen oder noch spezieller mit einem Gehirn zu tun. Er ähnelt mehr dem Begriff Geist, will aber zusätzliche die reflexive Eigenschaft, die Rückwendung des Geistes auf sich, betonen.

Ausgehend hiervon wollen wir uns weiter vortasten. Was könnte es sonst noch geben? Materie? Energie? Energiematerie? Raum? Zeit? Raumzeit? Energiematerieraumzeit? Etwas ganz anderes? Diese Fragen werden uns hier beschäftigen zusammen mit den Konsequenzen für das Menschsein. Und es wird durchaus Antworten geben. Viele gewohnten Vorstellungen müssen erst in Frage gestellt und dann zerstört werden, damit Platz für Neues da ist.

Ein besonderes Anliegen an diesem Ort ist es außerdem zu belegen, dass manche moderne Erkenntnis schon uralt ist, dass es immer wieder Menschen gab, die das Wesen des Seins durch Betrachtung der Erscheinungen und anschließendes Nachdenken, so weit es menschenmöglich ist, erfassten. Manche Kapitel an diesem Ort sind nur für Physiker nachvollziehbar. Es erwächst aus ihnen aber keine neue Erkenntnis, sondern sie zeigen nur auf, welche alte Erkenntnis im Licht der aktuellen Wissenschaft Bestand haben kann. Die Erlangung der Erkenntnis ist auch ohne das Verständnis der modernen Physik möglich. Nur ist der Weg eben weiter. Das, was die moderne Wissenschaft uns gibt, sind viel bessere Sinne als es menschliche Augen und Ohren sind. Die Formeln sind die Reduktion der gesehenen Erscheinungen auf ein mathematisches Modell. Das mathematische Modell kann durch genauere Beobachtungen falsifiziert bzw. in seinem Geltungsbereich eingeschränkt werden. Aus dem mathematischen Modell heraus kann man niemals beweisen, wie die Wirklichkeit zu sein hat. Das mathematische Modell kann Voraussagen treffen, diese können sich als richtig oder falsch herausstellen. Ansonsten ist es nur eine kompakte Schreibweise für mögliche Erfahrungen, mehr nicht.

Ein weiteres Anliegen ist es, deutsch zu schreiben und sich nicht hinter hochwissenschaftlich klingenden Fremdwortkonstruktionen zu verschanzen und einzuigeln.

... umgekehrt nun aber wird Geistesarmuth, Verworrenheit, Verschrobenheit sich in die gesuchtesten Ausdrücke und dunkelsten Redensarten kleiden, um so in schwierige und pomphafte Phrasen kleine, winzige, nüchterne, oder alltägliche Gedanken zu verhüllen, demjenigen gleich, der, weil ihm die Majestät der Schönheit abgeht, diesen Mangel durch die Kleidung ersetzen will und unter barbarischem Putz, Flittern, Federn, Krausen, Puffen und Mantel, die Winzigkeit oder Häßlichkeit seiner Person zu verstecken sucht. So verlegen wie dieser, wenn er nackt gehn sollte, wäre mancher Autor, wenn man ihn zwänge, sein so pomphaftes, dunkles Buch in dessen kleinen, klaren Inhalt zu übersetzen. [Schopenhauer-D 3. Buch §47]

Als erstes entledigen wir uns gleich hier des Begriffes „Individuum“, der „Unteilbares“ bedeutet. In der heute oft üblichen Verwendung von „Individuum“ scheint der Begriff gar nicht richtig zu passen. Statt dessen werden wir den besser passenden Begriff des Sich-abgeteilt-denkenden verwenden, kurz: das Abgeteilte. Für den, der mit der alten indischen Philosophie vertraut ist, ordnet sich dieser Begriff so ein: deren Vielheitler ist ein Sich-abgeteilt-denkender, der glaubt, dass die Welt mit vielen anderen Abgeteilten bevölkert ist.

Es gibt durch die einzelnen Schriften hier keinen geraden Weg zu dem, was in der Zusammenfassung geschrieben steht. Jeder mag sich seinen eigenen suchen...